Deutsche Bahn
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Test intelligenter Videoanalyse am Bahnhof Berlin Südkreuz

Am 18. Juni 2019 beginnt das zweite Teilprojekt des Tests intelligenter Videoanalyse-Technik durch die Deutsche Bahn AG (DB) und die Bundespolizei.

Am Bahnhof Berlin Südkreuz wird unter der Federführung der DB das automatisierte Erkennen von bestimmten Situationen, die die Qualität, Zuverlässigkeit und Sicherheit des Bahnbetriebs beeinträchtigen können, mittels spezieller Software getestet.

Zentrales Ziel der DB ist es dabei, durch innovative Technologien die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit des Bahnbetriebs zu steigern und Beeinträchtigungen zu Lasten der Reisenden und Bahnhofsbesucher zu reduzieren. Für die Bundespolizei steht die effektivere Gefahrenabwehr auf dem Gebiet der Bahnanlagen der Eisenbahn des Bundes und die daraus resultierenden möglichen Sicherheitsgewinne im Vordergrund.

Die zu testende Software soll die nachfolgenden Situationen erkennen bzw. Funktionen erfüllen:

  • Liegende Personen, z.B. gestürzte Personen, die medizinische Hilfe benötigen
  • Betreten definierter Bereiche / Zonen, z.B. Objektschutz von Baustellen im Bahnhof oder Schließfachüberwachung
  • Personenströme / Ansammlungen, z.B. Visualisieren von Ansammlungen vor Fahrtreppen oder schnelle Bewegungen von Personengruppen  
  • Personenzählung, z.B. Anzahl von Personen, die sich in einem festgelegten Bereich aufhalten
  • Abgestellte Gegenstände, z.B. Gepäckstücke, die sich über einen längeren Zeitraum herrenlos am gleichen Ort befinden
  • Nachvollziehen der Positionen von Personen / Gegenständen, z.B. um Zuordnungen von herrenlosen Gepäckstücken gewährleisten zu können (ausschließlich Bundespolizei, kein Datenzugriff durch DB)
  • Retrograde Auswertung von Videodaten der zuvor genannten Szenarien, um später auswerten zu können, wie Gefahrensituationen entstanden sind (ausschließlich Bundespolizei, kein Datenzugriff durch DB)

Bei der Auswahl der Testszenarien hat sich die DB an typischen Situationen im Bahnhof orientiert, die in der Vergangenheit zu Verzögerungen und Qualitätseinschränkungen im Bahnbetrieb oder zu polizeilichen Einsätzen geführt haben.

Es ist geplant, an jeweils zwei Testtagen pro Woche, verschiedene der Szenarien mittels der intelligenten Videotechnik erkennen zu lassen. Die Situationen werden durch eigens hierfür eingesetzte Darsteller nach einem definierten Ablauf („Drehbuch“) dargestellt. Die Software soll auf diese Situationen automatisiert hinweisen.

Die Testierung erfolgt parallel zum Realbetrieb ohne Einbindung in bestehende Prozesse. In einem möglichen späteren Praxiseinsatz würden die Systeme beim Erkennen einer relevanten Situation die Mitarbeiter der Leitstellen der DB sowie der Bundespolizei visuell oder akustisch aufmerksam machen.

Mitarbeiter der DB oder Beamte der Bundespolizei könnten in der Folge schneller entscheiden, welche Maßnahmen einzuleiten sind. Die Technik könnte die Mitarbeiter also gezielt unterstützen. Über das reine Erkennen einer definierten Situation hinaus ist die Differenzierung zu ähnlichen Situationen, die keine Relevanz für den Bahnbetrieb oder der Sicherheit der Bahnreisenden haben, von wesentlicher Bedeutung. Ziel ist es, dass Meldungen nur bei Erkennen der vorher definierten Situation ausgelöst werden.

Der Test findet unter strengen datenschutzrechtlichen Vorgaben der zuständigen Datenschutzaufsichtsbehörden statt. Die zuständigen Stellen waren bereits in der Vorbereitung des Tests umfassend beteiligt. Eine Speicherung von personenbezogenen Daten durch die DB findet nicht statt. Der Zugriff auf die Videoaufzeichnungen bleibt wie bisher der Bundespolizei vorbehalten. Ein Abgleich personenbezogener Daten oder der Einsatz von Technik zur Gesichtserkennung erfolgt nicht.

Der Test ist bis Ende 2019 geplant.

Folgende Firmen stellen Software für den Test bereit:

  • IBM Deutschland GmbH,
  • Hitachi Consortium composed by Hitachi, Conef, MIG
  • Funkwerk video systeme GmbH und G2K Group GmbH


1. ​​​​Wie funktioniert intelligente Videotechnik?

Die Bilder der Videokameras im Bahnhof werden durch Software analysiert. Ziel ist es, Situationen zu erkennen, die typischerweise zu Störungen des Bahnbetriebs und der Abläufe oder zu Gefahrensituationen in den Bahnhöfen führen. Die Software erkennt diese Situationen anhand definierter Vergleiche und schaltet das jeweilige Bild auf den Monitor der Leitstellen. Durch diese Meldung könnten Mitarbeiter schneller und gezielter reagieren.

2. Wem nützt die intelligente Videotechnik?

In erster Linie dient die intelligente Videotechnik dem Reisenden und Bahnhofsbesuchern. Dadurch sollen Situationen schneller und präziser erkannt werden, die eine Gefahrenquelle darstellen können oder die Abläufe an Bahnhöfen beeinträchtigen oder den Zugbetrieb stören. Sie könnte in einem späteren Praxiseinsatz zudem Mitarbeiter der DB und Beamten der Bundespolizei helfen, schneller zu reagieren, Hilfe zu leisten oder Situationen aufzuklären. Das kann Verzögerungen und Beeinträchtigungen des Bahnbetriebs reduzieren und die Sicherheit des Bahnkunden erhöhen.

3. Wie laufen die Tests in der Praxis ab?

An den Testtagen – jeweils dienstags von 12 Uhr bis 20 Uhr und mittwochs von 8 Uhr bis 16 Uhr – durchlaufen Darsteller den Testbereich nach einer Art Drehbuch. Anhand des Drehbuches wird überprüft, ob die jeweiligen Situationen durch die Systeme erkannt werden. Von entscheidender Bedeutung ist dabei die Abgrenzung der relevanten von nicht relevanten Situationen. Je nach Testsituationen werden zuvor festgelegte Flächen ausgewählt und durch auffällige blaue Markierungen gekennzeichnet.

4. Was erwarten Sie von dem Test?

Wir möchten wissen, ob intelligente Videotechnik unsere Mitarbeiter unterstützen kann, Service und Sicherheit auf Bahnhöfen zu verbessern und damit die Qualität des Bahnhofsbetriebs weiter zu steigern. Es wird getestet, welche technischen Möglichkeiten intelligente Videotechnik bietet und ob solche Anwendungen zur Verbesserung von Zuverlässigkeit, Sicherheit und Qualität im Bahnbetrieb führen könnten.

5. Woran wird der Erfolg bzw. an welchen Kriterien wird der Test gemessen?

Konkret geht es um die Feststellung der Geeignetheit technischer Systeme beim zuverlässigen Erkennen definierter Situationen. Hierfür werden die einzelnen Testmodule nach Beendigung des zweiten Teilprojektes separat ausgewertet und analysiert. Im Ergebnis soll auf Grundlage der Erprobung festgestellt werden, ob die intelligenten Videoanalysesysteme nach dem Stand der Technik einen wertvollen Beitrag zur Gewährleistung der Sicherheit auf dem Gebiet der Bahnanlagen der Eisenbahnen des Bundes leisten können. Hierüber wird der Test in jedem Fall Auskunft geben. Weiterhin soll festgestellt werden, inwiefern durch diese Technik Qualität, Zuverlässigkeit und Service des Bahnbetriebes verbessert wird.

6. Worin unterscheidet sich die Situationsanalyse von der bisherigen Videoüberwachung?

Bisher werden die Bilder von vielen Kameras in die Leitstellen der DB und zur Bundespolizei übertragen. Die dort tätigen Mitarbeiter können nicht alle Bilder ununterbrochen bei gleichbleibender Aufmerksamkeit beobachten und auswerten. Mit der Software sollen verschiedene Situationen nun automatisiert erkannt und das entsprechende Videobild mit einem Hinweiston für die Mitarbeiter der DB und Beamten der Bundespolizei aufgeschaltet werden. Damit lassen sich kritische Situationen schneller und zuverlässiger erkennen.

7. Wird die intelligente Videotechnik im gesamten Bahnhof Südkreuz angewendet?

Nein. Die verschiedenen Szenarien werden an zwei Tagen pro Woche zu unterschiedlichen Tageszeiten und je nach Testfortschritt an unterschiedlichen Stellen erprobt. Dabei sind die Bereiche, in denen Darsteller die Situationen gemäß Drehbuch durchspielen, durch auffällige blaue Bodenmarkierungen gekennzeichnet. In allen weiteren Bereichen wird die Software nicht angewandt. In den Versuchsbetrieb sind einzelne Kameras auf dem Querbahnsteig (Ringbahn), beiden Bahnhofshallen sowie im Bereich der Treppen zum Parkhaus einbezogen.

8. Werden im Bahnhof Südkreuz neue Kameras installiert?

Nein. Zusätzliche Kameras werden nicht installiert.

9. Wie viele Kameras sind in den Versuch einbezogen?

Im Bahnhof Südkreuz sind derzeit rund 80 Kameras installiert. Je nach Versuchsphase werden verschiedene Kameras in den Test einbezogen.

10. Kann ich den Test der intelligenten Videotechnik am Bahnhof Südkreuz umgehen?

Ja, die temporären Testbereiche im Bahnhof sind jeweils aktuell durch auffällige blaue Bodenmarkierungen gekennzeichnet. Alle Einrichtungen des Bahnhofs sind auch ohne Betreten des Testbereichs erreichbar. Die Tests finden ausschließlich dienstags und mittwochs statt.

Wichtig zu wissen: Für Reisende und Bahnhofsbesucher ergibt sich durch den Test der intelligenten Videotechnik keine andere Situation als im bisherigen Alltag. Es findet keine Identifikation von Personen statt. Wie bisher hat ausschließlich die Bundespolizei die Möglichkeit, Aufzeichnungen von Kamerabildern im Bahnhof zu fertigen.

11. Werden personenbezogene Daten erhoben, verarbeitet und gespeichert? Wenn ja, wie lange?

Videobilder werden wie bisher nur von der Bundespolizei aufgezeichnet und nach der im § 27 Satz 3 Bundespolizeigesetz festgelegten Frist von 30 Tagen gelöscht. Im Testverlauf werden über die konventionelle Videoüberwachung hinaus von den Reisenden und Bahnhofsbesuchern keinerlei personenbezogene Daten erhoben oder verarbeitet. Insbesondere findet kein Abgleich von Videobildern mit gespeicherten Bilddaten statt. Im Rahmen des Tests werden keine Identitäten von Personen erhoben oder verglichen.

12. Erkennt die Videotechnik Gesichter?

Nein. Es wird keine Gesichtserkennung durchgeführt. Die Software analysiert anhand von abstrakten Proportionsdaten Menschen. So sind sie von Tieren oder Gegenständen zu unterscheiden. Ein Abgleich personenbezogener Daten findet nicht statt.

13. Kann die Software Personen identifizieren?

Nein. Es werden im Projekt keinerlei Datenquellen mit Vergleichsdaten für die Personenerkennung verwendet.

14. Auf welcher Rechtsgrundlage erfolgt der Test?

Die DB testet die Analyse von Videobildern auf Basis ihres zivilrechtlichen Hausrechts. Rechtsgrundlage für die Verarbeitung ist  Art. 6 Abs. 1, Buchstabe f) DSGVO i.V.m. § 4 BDSG. Für den Testbetrieb stützt sich die Bundespolizei auf die Rechtsgrundlage des § 27 des Bundespolizeigesetzes.

15. Wer kann mir nähere Informationen geben?

Wir informieren fortlaufend und transparent über den Test. Direkte Fragen können per E-Mail an die DB gestellt werden: video-an-bahnhoefen@deutschebahn.com. Auch die Bundespolizei beantwortet Fragen per E-Mail: videoerprobung@polizei.bund.de.

16. Gibt es ein Datenschutzkonzept?

Für den Test wurde ein umfassendes Datenschutzkonzept entwickelt. Dieses sieht Kennzeichnungen und Hinweise am Bahnhof, Umgehungsmöglichkeiten der Testbereiche, Beschränkungen der Testtage, Speicher- und Löschfristen, Anforderungen an die Daten- und IT-Sicherheit sowie die umfassende Information der Öffentlichkeit vor. Das Datenschutzkonzept ist elementarer Bestandteil des gesamten Tests. Alle Regeln des Datenschutzes werden eingehalten und sowohl die Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationssicherheit als auch der Bundesbeauftragte für Datenschutz und die Informationssicherheit wurden in der Vorbereitung des Tests umfassend einbezogen. Fragen zum Datenschutz können per E-Mail an video-an-bahnhoefen@deutschebahn.com oder videoerprobung@polizei.bund.de gestellt werden.